Es gibt Dinge, die wirklich jeder versteht – so wie die Tatsache, dass man in einem Wald nicht einfach alles plattwalzt, nur um ein paar Windräder hinzustellen. Aber irgendwie scheint das Konzept, dass Wald und Naturschutz auch noch eine Bedeutung haben könnten, bei manchen Entscheidern durch den Wind zu gehen. Windkraft an sich ist ja nicht das Problem – wir reden hier über Windkraft im Märkerwald, Otzberg. Und das, meine Damen und Herren, ist der wahre Akt der Rücksichtslosigkeit.
Stellen Sie sich vor, jemand schiebt Ihnen ein gewaltiges Windrad direkt vor Ihre Haustür – könnte Ihnen das gefallen? Nein, natürlich nicht. Und genau das tun wir den Menschen in Hassenroth an, die sich bald mitten in einem Meer aus Windkraftanlagen wiederfinden könnten. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass jemand ernsthaft glaubt, eine ganze Gemeinde so ohne weiteres mit Windrädern zu beglücken, als wären es Dekoartikel für ein überdimensionales Gartenzentrum. Dass man bei der Auswahl von Standorten für solche Projekte auch die Lebensqualität der betroffenen Bevölkerungsgruppen berücksichtigen sollte, scheint fast eine vergessene Tugend.
Doch nicht nur die Menschen sind betroffen – wir haben auch noch ein kleines Biosphärenreservat Odenwald am Rande der Vernichtung. Hier geht es nicht nur um ein paar Bäume weniger, sondern um den Verlust wertvoller Rückzugsgebiete, in denen sich Tier und Mensch noch in Ruhe entfalten können. Ja, wer hätte es gedacht: Ein intakter Wald ist für die Natur sogar von Nutzen, wenn wir die Windkraftwerke mal außen vor lassen.
Und während wir von den schönen grünen Energien träumen, die uns angeblich vor dem Klimawandel retten werden, vergessen wir schnell, dass auch der ökologische Fußabdruck von Windkraftwerken nicht ohne ist. Natürlich wird uns eingeredet, dass wir mit einem Windrad so viel CO2 sparen, dass wir es in wenigen Monaten wieder ausgleichen. Doch schauen wir mal genauer hin, und dann sehen wir die Wahrheit: Auch mit dem Betonfundament – das übrigens eine charmante Erinnerung an den Industriecharme vergangener Zeiten bietet – wird der Windpark nach ein paar Monaten bereits seinen eigenen CO2-Ausstoß wieder „verdaut“ haben. Die Frage bleibt: Was machen wir mit dem eigentlichen Schaden?
Richtig, der eigentliche Schaden liegt woanders – in der Zerstörung von Naherholungsgebieten und der Zerstörung von Wasserspeichern im Wald. Ach ja, die Wasserspeicher! Der selige Wasserspeicher des Waldes, der uns vor Überschwemmungen und dem nächsten Starkregenereignis schützen könnte, wird der Masse von Beton und Stahl einfach geopfert. Und das Schlimmste daran? Wir machen denselben Fehler gleich an mehreren Fronten. Während wir „Starkregenereignisse“ mit innovativen Konzepten bekämpfen, schaffen wir durch die Bodenverdichtung und Zerstörung der Waldflächen das gleiche Problem an anderer Stelle. Bravo!
Kommen wir also zum Punkt: Wir müssen nicht nur die richtigen Standorte für Windkraftprojekte finden, sondern auch die Verantwortung tragen, dass wir in unseren Bemühungen, den Klimawandel zu bekämpfen, nicht ausgerechnet das zerstören, was uns im Kampf gegen extreme Wetterereignisse eigentlich retten könnte. Es ist an der Zeit, dass wir bei der Wahl von Windkraftprojekten ebenso überlegt handeln wie bei der Wahl unserer Freizeitbeschäftigungen. Und vielleicht, nur vielleicht, sollte der Wind der Vernunft auch mal durch den Märkerwald wehen, bevor er noch größere Schäden anrichtet.
Denn der Wald und die Menschen in Otzberg verdienen es, nicht als Opfer eines unausgereiften Plans in die Geschichte einzugehen.