In einer Zeit, in der das Leben eigentlich schon genug Herausforderung bietet, ohne dass uns die Umwelt noch zusätzlich das Leben schwer machen muss, gibt es jetzt eine ganz neue Bedrohung, die die deutsche Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt: Glatteis. Ja, richtig gelesen – ein bisschen rutschige Straße, und schon schreien die Medien „Lebensgefahr!“ Der Horror hat einen neuen Namen, und er heißt Glätte-Alarm.
Was ist los mit uns? Ein paar winzige Eiskristalle, die sich in einer Jahreszeit, die wir alle schon von Kindheit an kennen, zu einem an sich völlig normalen Phänomen zusammensetzen, werden jetzt zur Katastrophe des Jahrhunderts. Die Medien haben sich ein neues Lieblingswort auf die Fahnen geschrieben: Lebensgefahr. Und natürlich muss das Ganze dann auch dramatisch aufbereitet werden – vom TV-Sender über den lokalen Radiosender bis hin zur App auf dem Smartphone: „EXTREME GLÄTTE! Vorsicht! Lebensgefahr!“ – als ob gleich ein Tornado durch die Straßen fegen würde, während Meteoriten vom Himmel regnen.
Ja, wirklich. Wer braucht noch Katastrophenfilme, wenn wir die Realität live erleben können? Es wird auf allen Kanälen lautstark verkündet, dass sich in jeder Ecke des Landes über Nacht „tödliche Glätte“ gebildet hat, die jeden Schritt in einen gefährlichen Balanceakt verwandelt. Wie viele Unfälle gibt es tatsächlich? Naja, keine Ahnung, aber wer zählt schon solche Details, wenn man die Klickzahlen maximieren kann?
Ein weiteres großes Thema, das sich langsam anbahnt, ist die neue „German Angst“. Diesmal geht es nicht um die Zukunft der Weltwirtschaft oder die politische Lage – nein, es geht ums Glatteis. Wir haben die totale Verantwortungslosigkeit erreicht: Niemand möchte mehr etwas wagen, aus Angst vor Klagen. Genau! Wer sich heutzutage vor die Tür wagt, ist schnell mal verantwortlich für jeden Slip, den jemand auf dem Gehweg macht. Auch der beste Winterreifen ist nicht genug, um der alles überwachenden Justiz und den Experten auf Twitter zu entkommen, die darauf warten, dich für den kleinsten Fehler zu verdammen.
Inzwischen stellen sich nicht nur besorgte Bürger mit Gummistiefeln auf, um sich gegen das eisige Grauen zu wappnen, sondern auch Unternehmen und Behörden nehmen die Verantwortung so ernst, dass sie lieber auf Nummer sicher gehen und den gesamten Verkehr lahmlegen, bevor sich irgendjemand noch eine kleine Prellung zuzieht. Wie praktisch, dass man heutzutage niemanden mehr wirklich zur Verantwortung ziehen kann, außer sich selbst. Die Frage „Wer ist schuld an diesem Chaos?“ wird zu einer Metafrage, bei der sich niemand mehr traut, die Antwort zu geben, weil wir alle es tief in uns wissen: Es ist die Angst.
Und das Beste daran? Es ist ein perfektes Beispiel für die neue Medienrealität: Sensation um jeden Preis, dramatische Überschriften, die uns weismachen, dass der normale Wintereinbruch in den Tropen enden könnte. Brennt das Eis, oder gibt es dafür noch Versicherungen?
Abschließend stellt sich die Frage: Warum haben wir uns eigentlich jemals über den Winter beschwert? Früher ging man raus, um die kühle, frische Luft zu genießen – heute wird das zu einem Sprung ins Ungewisse, bei dem jeder Schritt ein Risiko darstellt. Wer nicht aufpasst, könnte sich in einem Albtraum wiederfinden: Mit einem umgeknickten Knöchel und einem Staatsanwalt an der Seite.
Denn eines ist sicher: Wenn der Winter uns eines gelehrt hat, dann, dass wir in einem Land leben, das vor nichts mehr sicher ist – und der einzige, der uns vor der gefährlichen Gefahr des Glatteises retten kann, ist niemand anders als die Medien!