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Unsichere Wahlsoftware wirft weitere Fragen auf

Da isses, das nächste Cybersecurity Skandälchen. Eine Wahlsoftware, die eklatante Sicherheitsmängel aufweist und keine der installierten Kontrollmechanismen - wie zum Beispiel das BSI selbst - hat gegriffen. Da erscheint es schon fast lächerlich, daß ausgerechnet der kommunale Dienstleister, der das seit vielen Jahren „übersehen“ hat, gerade beauftragt wurde, die IT Sicherheit der Gemeinde Otzberg zu überprüfen. Bei dem Audit wäre ich gerne „Mäuschen“.
Denn bei der Wahlsoftware gibt es immer noch Wahlzettel, die dem Software-Ergebnis gegenüberstehen und im Zweifel herangezogen werden können - aber wie viele Daten und Informationen existieren entweder nur digital oder werden nur digital verarbeitet ? Wenn dann Schwachstellen entweder bewusst ignoriert oder kleingeredet - oder gar nicht erst entdeckt (vielleicht weil nicht gesucht) wurden, stellt das die ganze eGovernment-Idee in Frage. E-Government ist die wirklich gute Idee, Behördengänge am PC erledigen zu können. Vor allem für Menschen, die gar nicht mehr so mobil sind. Wenn das aber dann am Ende so „einfach“ ist, wie das beziehen einer digitalen Signatur um die Steuererklärung hochladen zu können, können Sie die Weiterbildung zur IT-Fachkraft gleich in der selben Erklärung geltend machen. Auch wenn Sie als Dachdecker oder Maurermeister eigentlich gar keine Zeit dazu haben. Dann doch lieber ausdrucken und selber einwerfen. Oder ohne Signatur hochladen, was auch geht aber es wird darauf hingewiesen, daß es weniger sicher ist. Ich würde ja gerne meine Behördengänge digital erledigen, einen Pass mit Biometriedaten habe ich ja. Denn den braucht man für eGovernment. Irgendwann mal. Vielleicht. Liefern darf solche Lösungen - sofern ausgeschrieben und nicht geklüngelt wird - der „Wenigstnehmende“ - also die billigste Lösung. Die wird dann am Ende doppelt bis dreimal so teuer, weil man verschiedene Dinge bei der Ausschreibung nicht beachtet hat oder sogenannte „Unvorhersehbarkeiten“ eintreten für die sich der Bieter abgesichert hat. Dadurch wird die „billigste“ Implementation aber nicht besser, nur teurer. „Wer billig kauft, kauft zweimal“ klingelt es einem da so im Hinterstübchen, aber diese Erkenntnis sucht man im Kommunalen Umfeld vergebens.

Foto: cc by sa. Joachim Müller